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fisker
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BeitragVerfasst am: 13.07.2007, 19:42    Ausgegraben Antworten mit ZitatNach oben

Moin !

ich habe vor geraumer Zeit mal versucht, einen Artikel meines Petro-Spezis Apexpredator, der als Mod in einigen Ami-Foren tätig ist, ins deutsche zu übertragen.
Das Teil wurde seinerzeit auch im ehemaligen Petrochromis-Forum veröffentlicht, aber ich denke, dass hier auch ein Platz frei sein sollte...

Viel Spaß beim Lesen wink


"Die Petrochromis-Saga" by Leigh Kissane

Meine erste Begegnung mit den Petrochromis war vielleicht so, wie bei vielen anderen auch.
Beim Stöbern in einem meiner vielen Bücher über Tanganjika-Cichliden stieß ich auf eine Gattung, die ich bislang nicht gepflegt hatte. Besonders durch die Abbildung eines Petrochromis sp. „Giant“ wurde meine Aufmerksamkeit geweckt.

Es waren weder Form noch Farbe des Fisches auf diesem Bild, es war der Bildtext, der diesen Cichliden als „vollkommen unpassend für eine Aquarienpflege“ deklarierte.
Als jemand, dem man nicht vorschreiben kann was er zu tun oder zu lassen hat, war mein Ehrgeiz geweckt.
Das will auch heissen, dass ich lange genug Aquarianer bin, um nicht gleich loszulaufen und mir Diese Tiere zu kaufen.
Es war erforderlich, Hintergrundwissen zu schaffen und es gestalttete sich als äußerst schwierig, Informationen über die Gattung Petrochromis zu bekommen.
Die einhellige Meinung in Literatur und I-Net war, dass man „vorsichtig“ sein sollte, weil man es mit sehr durchsetzungsfähigen Tieren zu tun bekäme, die extrem große Becken mit einer entsprechenden Filterung benötigten und die zudem in der Lage seien, innerhalb weniger Stunden den gesamten Besatz eines Beckens in den Fischhimmel zu befördern.

Ich konnte es schon nicht mehr hören wenn man mir wieder einmal sagte, dass Petrochromis nicht für das Heim-Aquarium geeignet seien.

Die „Lieblingssprüche“, die ich zu hören bekam waren „aufgrund ihrer Größe und Aggressivität sind sie für ein Aquarium ungeeignet“, ,,die Männchen werden sich innerhalb weniger Tage gegenseitig umbringen“, „pflege niemals mehr als ein Männchen pro Becken“ und mein absoluter Spitzenreiter „warum willst du dein Geld für ein Becken voller Fische raushauen, die sich dann doch nur gegenseitig um die Ecke bringen“.
Es war schon normal, wenn ich auf meine frage nach persönlichen Erfahrungen mit diesen Fischen zu hören bekam, dass man ja auch nur vom Hören-Sagen wüsste dass...Eigene Erfahrungen ? Fehlanzeige !

Aufbauend auf diesem „Informationsdefizit“ entschied ich mich, der gefahr ins Auge zu sehen und richtet ein 500 Liter-Becken für die Pflege dieser „nicht pflegbaren“ Cichliden ein.
Dann sandte ich einige Schreiben an Importeure, um herauszubekommen, wo was erhältlich war.
Nach den bis hier gemachten Erfahrungen war ich der Meinung, dass die Tiere es wert waren, mein Glück mit ihnen zu versuchen.
Und diese Glück kam mir zu Hilfe, denn ein befreundeter Aquarianer hatte einige Petrochromis in Pflege, war aber nicht in der Lage, sich hinreichend um sie zu kümmern.
Ein paar Telefonate später und in meinem 500er schwammen 18 fantastisch aussehende Petrochromis. Meine Gruppe setzte sich zusammen aus 8 P. famula „Texas Gold“, 6 P. sp. „Red fin Longola“ und 4 P. sp. “Moshi yellow”.

Das war der Anfang meiner Petrochromis-Faszination und sicher noch lange nicht das Ende.


Verhalten

In dem Bewusstsein, dass man mir immer und immer wieder gesagt hatte, um was für furchtbar aggressive Barsche es sich doch handelte war ich eigentlich viel zu wenig
Vorbereitet , als sie eintrafen.
Zu meiner Verwunderung ignorierten sie einander, nachdem ich sie in das Becken eingesetzt hatte !
Ich führte das auf den mit dem Transport verbundenen Stress zurück. Tatsächlich ging es am nächsten Tag schon „zur Sache“, als die Rangordnungskämpfe einsetzten.
Es schien so, dass das dominante „Texas Gold“-Männchen sich relativ schnell zum Becken-Chef würde emporschwingen können, aber dieser Rang wurde ihm innerhalb der folgenden zwei Wochen vom „Red fin Longola“ abgenommen.
Ich konnte zu meiner Überraschung feststellen, dass die drei verschiedenen Arten sich im Großen und Ganzen ignorierten. Die Aggressionen fanden fast nur artintern und auch im beschränkten Rahmen statt.
Die Männchen verteidigten kleinräumige Territorien und waren die meiste Zeit damit beschäftigt, die Weibchen zum Ablaichen zu animieren.
Nur wenn es zu Grenzübertritten kam wurden die Eindringlinge „bestimmt“ des Felder verwiesen.
Meine Becken sind mit Felsaufbauten und verschieden großen Höhlen eingerichtet. Diese gibt zum einen den Männchen die Möglichkeit ihre Territorien festzulegen und zum anderen den Weibchen, Schutz zu suchen.
Es kam nie zu zerrissenen Flossen, Hautverletzungen oder gestressten Fischen. Ich möchte sogar behaupten, dass die Aggressionen in meinem Petrochromis-Becken geringer als die in meinen Tropheus-Becken sind.

Die Besatzdichte scheint mir bei der Eindämmung der Aggressionen eine wichtige Rolle zu spielen.

Je mehr, desto besser scheint bei der Petrochromis-Haltung die Devise zu sein

In kleinen Gruppen drängen sie sich zusammen und sind sehr scheu; erst wenn sie mit anderen vergesellschaftet werden kommen sie zur Ruhe.

Zu erwähnen wäre noch, dass es sich um große Fische handelt, die eine entsprechende Filterung erforderlich machen.
Es ist dann ziemlich einfach festzustellen, ob sich ihre Petrochromis wohlfühlen, da sie schon recht bald Fortpflanzungsaktivitäten an den Tag legen.


Nachzucht

In meinem Becken ist das Ablaichen fast „Dauerzustand“, insbesondere nach einem Wasserwechsel.
Die Männchen balzen ständig mit gespreizten Flossen und zitternden Bewegungen und locken die Weibchen so in ihre Reviere.
Dort angelangt leuchten sie in den schönsten Farben und legen sich vor den Weibchen auf die Seite. Die Weibchen zupfen an den Flossen der Männchen und beide beginnen sich zu umkreisen. Dieses Verhalten kann sich über einen Zeitraum von 30 Minuten bis maximal 48 Stunden (!) hinziehen.
Während dieser Phase sind die Männchen sehr aggressiv gegenüber allen Beckengenossen und tunlichst darauf bedacht, diese aus ihrem Revier fern zu halten. Diese Aggressionen beschränken sich jedoch auf ein Vertreiben und ich konnte nie beobachten, dass es zu Maulzerren oder Beissen gekommen wäre.
Das Männchen kehrte immer schnellstens zur Angebeteten zurück um „die sache“ zu Ende zu bringen.
Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, die Weibchen nach drei Wochen zu „strippen“ (schütteln). Die Erfahrung, dass die Tiere nach dieser Zeit nur allzu oft ihre Brut nach und nach gefressen haben hat mich dazu veranlasst.
Ich bin mir nicht sicher, ob es sich hier um Unerfahrenheit oder eine artspezifische Eigenart handelt.
Die Beobachtung folgender Bruten wir hier vielleicht Klärung bringen.

Nach drei Wochen haben die Jungen ihre Dottersäcke aufgezehrt und schwimmen herum. Ich konnte keine Unterschiede feststellen,egal ob ich die Jungen in sterilen oder voll eingerichteten Becken aufzog.
Die jungen Petrochromis wachsen sehr schnell. Bei zweimaliger Fütterung pro Tag erreichen innerhalb von 2 Monaten eine Länge 2,5 cm; 7,5 cm sind innerhalb von 6 Monaten möglich.
Verschiedentlich konnte ich feststellen, dass Weibchen, denen ich am Vortag die Eier entnommen hatte, nur einen Tag später eine neue Brut trugen. Die Eier wurden in diesen Fällen allerdings innerhalb der nächsten Tage gefressen. Unter Umständen ist das eine Art von „Ausgleich“ für ihr dreiwöchiges Fasten ? Ich konnte dieses verhalten bis zu heutigen Tage bei keinem anderen Buntbarsch beobachten. Sicher bedarf es noch vieler Beobachtungen in dieser Hinsicht.


Ich füttere alle meine Petrochromis mit einer auf Spirulina basierenden Futtermischung. Diese scheint mir ihrer natürlichen Ernährung am nächsten zu kommen.
Eine Fütterung pro Tag hat sich bei mir bewährt, um die Tiere bei guter Gesundheit zu halten.
Sie stopfen dann soviel in sich hinein, dass man Angst hat, sie könnten platzen.
Die Zeit zwischen den Mahlzeiten wird mit Algen-Schaben verbracht. Ich beleuchte das Becken 16 Stunden täglich und komme trotzdem mit einer zweimonatlichen Scheibenreinigung aus.
Es ist unumgänglich, das so große Fisch auch einen hohen Stoffwechsel haben, was es erforderlich macht, wöchentlich zwischen 25% und 50% des Wassers auszutauschen.
Zum einen ist das Wasser dadurch kristallklar, zum anderen wird die Balzaktivität erhöht.


Fazit

All meine Erfahrungen mit Petrochromis waren durchweg positiv. Ihre Farbe und Persönlichkeit wiegen alle etwaigen negativen Begleiterscheinungen auf.
Was ihre Aggression angeht hat man ihnen einen unverdientermaßen schlechten Leumund angedichtet.
Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass dieser Artikel andere dazu ermutigt, diese großartigen Fische in ihren Aquarien zu pflegen.
Ich würde Anfängern abraten wollen, da die Preise doch beachtlich sind, sie sind jedoch relativ leicht zu halten und können einem große Genugtuung bereiten.

Vorausgesetzt eine richtige Ernährung, Filterung und Beckengröße können sie jedem Aquarianer Jahre der Freude bescheren.

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Gruß

fisker


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BeitragVerfasst am: 13.07.2007, 23:09    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Interessanter Bericht!

18 Petrochromis in einem 500l Becken mit Felsaufbauten und Höhlen die zusätzlich Platz in Anspruch nehmen. Das ist in Anbetracht der Größe der Tiere eine relativ hohe Besatzdichte. Das würde hier im Forum mit Sicherheit nicht jeder so machen auch wenn oft erwähnt wird, daß hohe Besatzdichte der Schlüssel zum Erfolg sein kann bei Petros.

Zitat: 'Meine Becken sind mit Felsaufbauten und verschieden großen Höhlen eingerichtet. Diese gibt zum einen den Männchen die Möglichkeit ihre Territorien festzulegen...'

Das versuchen eigentlich die meisten zu vermeiden, richtig?

Zitat: 'Diese Aggressionen beschränken sich jedoch auf ein Vertreiben und ich konnte nie beobachten, dass es zu Maulzerren oder Beißen gekommen wäre.'

Hört man selten wenn das Thema Petros zu Sprache kommt sondern meistens aufs maul

Und letztendlich '...sie sind jedoch relativ leicht zu halten...'

Alles ist relativ wie Einstein schon sagte augen rollen

Wenn ich all die Berichte und Beiträge zum Thema Petros lese glaube ich mittlerweile das alles möglich und (fast) nichts unmöglich ist.

Weißt du von wann der Bericht ist Norbert?

gruß
gernot

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BeitragVerfasst am: 15.07.2007, 03:46    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Moin Gernot wink


© Copyright 2004 Leigh Kissane. Leigh Kissane has been an an avid cichlid enthusiast for over 20 years and has bred many rare and hard to find species.

cool

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BeitragVerfasst am: 15.07.2007, 16:45    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Merci!

Hatte den Eindruck, daß der Text älter ist. So gegen Ende der 90er.

Und wenn er Literatur erwähnt in der es heißt Petrochromis sind ungeeignet für Aquarienhaltung dann meint er vielleicht Ad Konings. Der scheint einen Heidenrespekt vor den Tieren zu haben und empfiehlt oft 3m Becken zur Haltung und nie mehr als 1 Männchen einer Art.

gruß
gernot

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BeitragVerfasst am: 15.07.2007, 22:53    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Zitat:
Zitat: 'Meine Becken sind mit Felsaufbauten und verschieden großen Höhlen eingerichtet. Diese gibt zum einen den Männchen die Möglichkeit ihre Territorien festzulegen...'

Das versuchen eigentlich die meisten zu vermeiden, richtig?


Richtig Gernot,

nur im Kontext gelesen macht das schon einen Sinn.
Durch die enorm hohe Packdichte ist eigentlich keine Revierbildung möglich, da das M ununterbrochen um sein Revier kämpfen müsste.
Der Herr löst das Problem, indem er dem M eine Höhle, also sowas wie einen Unterstand bietet.
Da hat der Bock auf extrem kleinem Raum seine Burg - gar nicht so doof.
Das Eine machen ohne das andere zu lassen war schon immer eine gute Idee.

Gruß Bert

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BeitragVerfasst am: 02.02.2009, 14:29    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Wie groß werden die kolegen den überhaupt????
lg Tim

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